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Eine Cloud für Niedersachsens Kulturdaten: Mit der „Culture Cloud“ entsteht erstmals eine landesweite Kulturdateninfrastruktur, die Informationen aus Museen, Archiven, Bibliotheken und der Denkmalpflege zusammenführt. Was bislang dezentral gespeichert und oft schwer auffindbar war, wird nun über einheitliche Standards vernetzt und zentral zugänglich gemacht. So können die Daten künftig über digitale Portale leichter gefunden, miteinander verknüpft und für Forschung, Kultur und Öffentlichkeit nutzbar werden – bei voller Datenhoheit der jeweiligen Einrichtungen.
Bürger*innen profitieren unmittelbar von einer zentralen, einfach nutzbaren Recherche: Historische Informationen beispielsweise zu Personen, Orten und Objekten sind gebündelt, mit Karten, Bildern und Texten vernetzt und nach offenen Standards auffindbar. Heimatforschende, Schulen und Ehrenamtliche erhalten so schnellen, verlässlichen Zugriff auf Quellen zu ihrem Ort, ohne einzelne Einrichtungen separat kontaktieren zu müssen; thematische Zugänge über die Portale erleichtern den Einstieg. Zugleich vereinfacht die gemeinsame Infrastruktur den Einrichtungen die Bereitstellung: einmal qualitätsgesichert eingepflegt, werden Daten über die Portale landesweit sichtbar.
Das Projekt unter der Leitung der Infrastrukturpartner Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung mbH Göttingen (GWDG) und Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds (VZG) wird für fünf Jahre mit insgesamt 10,1 Mio. Euro gefördert. Die Mittel stammen aus zukunft.niedersachsen, dem gemeinsamen Wissenschaftsförderprogramm des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und der VolkswagenStiftung.
Die strategische Bedeutung des Projekts für Forschung, Kulturinstitutionen und Öffentlichkeit unterstreicht Falko Mohrs, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur: „Mit der Culture Cloud Niedersachsen entsteht ein wissenschaftlicher Leuchtturm: Sie bündelt verstreute Kulturdaten zu einer starken gemeinsamen digitalen Infrastruktur. Wissen und Informationen werden einfacher zugänglich und besser nutzbar – für innovative Forschung, für Kultureinrichtungen und die Öffentlichkeit. Unsere vielfältigen Kulturschätze werden im Land und darüber hinaus sichtbarer: Das Projekt schafft gemeinsame Standards und Strukturen, damit Kulturdaten perspektivisch auch national und international zugänglich werden können.“
Der Projektleiter Prof. Dr. Philipp Wieder, stellvertretender Leiter GWDG, beschreibt die praktische Ausgestaltung und den Mehrwert der Infrastruktur: „Die Culture Cloud ist ein Meilenstein für die digitale Zukunft der Kultur in Niedersachsen: Sie vereint die Vielfalt der kulturellen Bestände unter gemeinsamen technischen Standards, ohne dabei die Datenhoheit der Einrichtungen zu gefährden. Es freut mich, dass wir mit FAIR-Prinzipien und modernen Dateninfrastrukturen eine nachhaltige Basis schaffen, die Forschung, Bildung und Kreativwirtschaft gleichermaßen voranbringt. Gemeinsam mit unseren Partnern entwickeln wir nicht nur eine Technologie, sondern ein lebendiges, vernetztes Kulturerbe für die Zukunft.“
Die Projektpartner auf Seiten der Kultureinrichtungen sind das Braunschweigische Landesmuseum (BLM), die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB), die Institute für Digital Humanities (IfDH) und für Historische Landesforschung (IHLF) der Georg-August-Universität Göttingen, die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB), das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN), das Niedersächsische Landesarchiv (NLA) und das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege (NLD). Die diverse Zusammensetzung der Projektpartner repräsentiert die zukünftigen Nutzendengruppen und Stakeholder der Culture Cloud und stellt damit eine wichtige Mitgestaltung durch diese Einrichtungen von Beginn an dar.
In der ersten Projektphase wird über zwei Jahre hinweg die technische Grundlage geschaffen und mit einheitlichen Schnittstellen zu spartenspezifischen Repositorien der Partnereinrichtungen verknüpft; bestehende Services wie Single Sign-on, Normdaten, Geodienste und Persistent Identifier werden eingebunden und teilweise erweitert und geeignete digitale Datenbestände für die spätere Einbindung identifiziert. In der zweiten Phase wird anschließend für drei Jahre die Infrastruktur zum Vollbetrieb weiterentwickelt: Partnereinrichtungen pflegen qualitätsgesicherte Daten dezentral ein, Bestände werden teilautomatisiert übernommen, Forschungsdatenmanagement nach FAIR-Prinzipien etabliert und Verfahren zur Datenverknüpfung, -harmonisierung und -integration implementiert. Die Daten werden über Landesportale wie Kulturerbe Niedersachsen, Arcinsys und Denkmalatlas Niedersachsen, über objektorientierte Fachportale wie den Kartenspeicher und das Virtuelle Münzkabinett (KENOM) sowie über neu zu entwickelnde Fachportale bereitgestellt und zugleich über einen zentralen Metadatenhub zugänglich gemacht.
Standardisierte Metadaten und gemeinsame Dienste ermöglichen interdisziplinäre Analysen räumlicher Verteilungen und historischer Entwicklungen, die Erforschung von Material- und Wissenstransfers sowie kulturellen, technischen, sozialen und ökonomischen Beziehungen. Historische Text- und Bildquellen lassen sich mit musealen Objekten und Erinnerungsorten verknüpfen; KI-gestützte Auswertungen von Objekt- und Raumdaten erkennen Muster und Transferwege. Karten, Befunde und Quellen zu Phänomenen des historischen und gegenwärtigen Klimawandels werden gemeinsam betrachtet, ebenso serielle Daten zu Migration und sozialer Dynamik im 19. und 20. Jahrhundert. Netzwerkanalysen historischer Personen-, Orts- und Objektdaten machen die Zirkulation von Ideen und Wissen in Norddeutschland und darüber hinaus sichtbar.
Gemeinsame Standards und FAIR-Prinzipien sichern Interoperabilität, Nachhaltigkeit und Nachnutzbarkeit. Die Culture Cloud setzt auf definierte Anforderungen etwa zur Identifikation von Personen und Orten, damit Daten über Institutionen hinweg verlässlich verknüpft und langfristig nutzbar bleiben.
Landesportale, Fachportale und ein zentraler Datenhub vernetzen Daten landesweit und international. Über die Culture Cloud werden Daten über die Landesportale recherchierbar gemacht und über den Datenhub bereitgestellt. Nationale und internationale Aggregatoren wie die Deutsche Digitale Bibliothek, der NFDI Culture Knowledge Graph und Europeana können die niedersächsischen Kulturdaten automatisiert übernehmen, sodass Sichtbarkeit und Vernetzung deutlich wachsen.
Forschende und Lehrende erhalten einen einfachen Zugang zu qualitativ gesicherten, verknüpfbaren Beständen; Kulturinstitutionen profitieren von effizienteren Prozessen und verlässlichen Standards; Vermittlung und Öffentlichkeit erreichen Kulturdaten niedrigschwellig; die Kultur- und Kreativwirtschaft findet eine belastbare Datenbasis für innovative Anwendungen und Services. So entsteht eine dynamische, mitwachsende Wissensmatrix, die die dezentrale Struktur Niedersachsens widerspiegelt und Daten als Kulturgut stärkt.
Die GWDG ist im Projekt der zentrale IT-Infrastruktur- und Entwicklungspartner: Sie betreibt für Forschung und Lehre hochverfügbare, skalierbare Cloud und Rechenressourcen und stellt damit die technische Basis für Datenhub, Schnittstellen, Suche und Services der Culture Cloud bereit. Als IT-Dienstleister der Universität Göttingen und der Max-Planck-Gesellschaft sowie als eines von neun Nationalen Hochleistungsrechenzentren und eines von vier deutschen KI-Servicezentren bringt sie langjährige Betriebs- und Sicherheitskompetenz ein. Die GWDG entwickelt und betreibt darüber hinaus Dienste in nationalen und europäischen Infrastrukturen (z. B. NFDI und EOSC) und kann so Interoperabilität und Anbindung an überregionale Ökosysteme gewährleisten. Für Niedersachsen verantwortet sie maßgeblich die Academic Cloud, auf deren Plattformen Container Orchestrierung, Speicher und Datenmanagement, Identitäts- und Zugriffsverwaltung sowie API- und Workflow-Dienste für die Culture Cloud umgesetzt werden. Damit stellt die GWDG den zuverlässigen, performanten und nachhaltigen Betrieb der Kulturdateninfrastruktur sicher und unterstützt die Partner bei Integration, Automatisierung und Skalierung.
Die Verbundzentrale des GBV (VZG) ist Katalogisierungs- und Dienstleistungszentrum für wissenschaftliche und öffentliche Bibliotheken und für Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der beteiligten Länder und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Sie hat die Aufgabe, einen Rahmen für eine abgestimmte Bibliotheksautomation zu schaffen, neuartige Bibliotheks- und Informationsdienstleistungen zu entwickeln und deren Anwendung zu fördern.
Prof. Dr. Philipp Wieder
Projektleitung
Stellvertretender Leiter GWDG
Leiter der Arbeitsgruppe „eScience“
Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung mbH Göttingen
Burckhardtweg 4, 37077 Göttingen
E-Mail: culture-cloud-support@gwdg.de